Gibt es Führung ohne Hierarchie?

Wenn Wohnprojektgruppen sich nicht um die Kompetenzen der einzelnen Mitglieder kümmern, dann hat das mehrere Gründe. Ein Mal wissen sie oft nicht, wie sie es machen sollen, dass jeder und jede offen sagen kann, was sie besonders gut kann. Meistens fehlt das Interesse am Können der anderen.
Warum das so ist, kann ich nur vermuten.
Ich glaube, die meisten wissen nicht wie sie mit den Verschiedenheiten umgehen können.
Dann glaube ich auch, dass die Gründer*innen oft an ihrer Führungsrolle hängen und darauf bedacht sind, sie nicht abzugeben. Schließlich haben sie die Idee gehabt und sind schon viele Schritte gegangen, die die Gruppe ohne sie so nicht gegangen wäre. Es liegt nicht in ihrem Interesse, die vielen verschiedenen Fähigkeiten, die mit den neuen Mitgliedern in die Gruppe kommen, lebendig werden zu lassen.
Und ich glaube auch, dass die Organisationsidee, die vielen Gruppen zugrunde liegt, von hierarchischem Denken geprägt ist. Auch wenn immer und überall betont wird, dass man partizipativ arbeite und dass es keine Hierarchie gäbe. Manchmal denke ich, dass versteckte Hierarchie schlimmer ist als offensichtliche. Denn wenn alle so tun, als wären alle gleich, dann bildet sich sozusagen eine Gruppenillusion, die durchaus zu weiteren Illusionen führen kann.
Führungsrollen sind wichtig. Wenn sie jedoch nicht beschrieben sind, bilden sie sich irgendwie und automatisch so, wie die Person, die sie einnimmt, Führung versteht und ausübt. Und das kann für eine Gruppe gut sein, aber es kann auch nicht so gut sein. Es kann zum Erfolg führen und gleichzeitig eine Gruppenatmosphäre kreieren, die nicht angenehm ist für alle, die keinen guten Draht zu denjenigen haben, die in Führungspositionen sind.
Übrigens halte ich es für wesentlich zu unterscheiden zwischen Rollen und Positionen.
Meines Erachtens sollte es in Wohnprojektgruppen keine Positionen geben sondern nur Rollen, die für eine gewisse Zeit ausgeübt werden.




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