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Konzeptionelles zu Lesekreis anders:

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Lesekreis anders: Orientiert an Shared Reading 1. September 2022 / Lisa Frohn 1. Was ist anders ? 2. Wie geht Lesekreis anders: ? 3. Wer steht dahinter ? 4. Organisationsentwicklung. 5. Vision. 6. Das Besondere. 1. Zu Beginn eines Lesekreis anders: erhalten alle, die gekommen sind, einen Text. Anders als in üblichen Lesekreisen, haben die Teilnehmer:innen sich nicht darauf vorbereitet. Der Text wird laut vorgelesen. Beim anschließenden Besprechen geht es nicht um Wissen, nicht um Kenntnisse über Literatur oder Poesie, nicht um literarische Interpretationen und Deutungen. Jede Person, die Lust hat auf Zusammensein mit anderen, auf Austausch, die Freude am Lesen hat und neugierig ist, kann teilnehmen. Der Austausch miteinander ist respektvoll und wertschätzend.  Lesekreis anders: orientiert sich an Shared Reading.  Wer teilnimmt, hat die Möglichkeit, mit dem Text in Resonanz zu gehen, ihn auf sich wirken zu lassen, zu assoziieren und anderen mitzuteilen, was in ihr oder ihm vorgeht. Ein

Die ersten Schritte von Lesekreis anders:

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Von Anfang an, als wir nur zu dritt waren, haben wir bei jedem Treffen eine Übung im gemeinsamen Lesen gemacht, mit einem anschließenden Gespräch über den Text, danach eine Feedbackrunde und anschließend haben wir über die Projektentwicklung gesprochen. Die Texte zum Lesen haben wir reihum eingebracht. Ich weiß noch, dass mein erster Text, den ich in die Gruppe gebracht habe, ein Zitat von Albert Einstein war:  "Wenn ich nur eine Stunde Zeit hätte, um ein Problem zu lösen, und mein Leben davon abhängen würde, dann würde ich die ersten 55 Minuten dafür verwenden, die Frage richtig zu formulieren. Denn sobald ich die wesentliche Frage identifiziert habe, kann ich das Problem in weniger als fünf Minuten lösen."         Der erste Text, den Marlene Brandt in die Gruppe brachte, war von Bertolt Brecht:                              Befragt über sein Verhältnis zur Natur, sagte Herr K: "Ich würde gern mitunter aus dem Haus tretend ein paar Bäume sehen. Besonders da sie durch ihr

Der Anfang von Lesekreis anders:

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Als ich Anfang 2022 zum ersten Mal von Shared Reading gehört hatte, war ich sofort begeistert und las alles darüber, was ich im Internet finden konnte. Ich sah eine wunderbare Möglichkeit, Begegnungen zwischen Menschen zu organisieren, die gemeinsam lesen. Der Rahmen für die Begegnungen ist mit der Methode Shared Reading genau beschrieben. Alles dreht sich um Texte aus der Literatur oder Poesie. Meine Begeisterung hat sicherlich damit zu tun, dass für mich bei Shared Reading zwei wichtige Aspekte meiner Lebenssituation zusammenkommen. Da ist ein Mal mein Verhältnis zu Texten, wobei ich sagen muss, dass ich weniger mit Literatur und Lyrik zu tun habe, sondern mehr mit Sachtexten. Und dann mein soziales Anliegen: Begegnungen zwischen Menschen zu organisieren. Genauer gesagt, dafür zu sorgen, dass Menschen zusammenkommen und Gemeinschaft erleben können im Sinne von Vielfalt erfahren, Partizipation üben, Achtsamkeit lernen, gegenseitige Wertschätzung spüren und formulieren, aktives Zuhören

Lasst uns etwas Schönes machen!

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In letzter Zeit höre ich immer häufiger den Wunsch, etwas "Schönes" zu machen. Im Lesekreis zum Beispiel wurde gesagt, dass wir beim nächsten Mal einen Text nehmen sollten, in dem es um etwas "Schönes" geht. Dann hörte ich, dass eine andere Gruppe sich gewünscht hat, vor Weihnachten noch etwas "Schönes" zu unternehmen. Die Begründung ist immer, dass alles so schwierig sei, das mit dem Krieg und der Energiekrise und dem Klima und überhaupt, die Gesamtlage sei einfach so kompliziert geworden, dass es wichtig sei, etwas anderes zu machen, etwas "Schönes". Sozusagen als Gegenbewegung. Vielleicht um für ein paar Stunden das Schwierige vergessen zu können. Die Frage ist natürlich, was dieses Schöne sein soll. Wahrscheinlich ist es nicht für alle gleich. Für mich zum Beispiel ist es schön, wenn es zu einem interessanten und inspirierenden Gespräch kommt. Andere wollen sich lieber bewegen und rausgehen und etwas zusammen unternehmen. Wieder andere finden

Vom Was und vom Wie

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Zuerst geht es immer um das WAS. Der Inhalt, das Thema sind der zentrale Punkt um den sich alles dreht, wenn man sich mit anderen zusammentut, sich trifft um etwas zusammen zu erarbeiten, zu organisieren und zu erledigen. Ohne das Was fehlt der inhaltliche Fokus, der Anker, die Basis, die den Austausch sinnvoll macht. Das Was gibt den Sinn. Ohne Sinn und ohne Thema sind Zusammenkünfte geselliges Beisammensein. Das kann natürlich auch sinnvoll sein, das ist klar, aber der Sinn von Geselligkeit liegt im Sozialen und nicht in einem Thema, einem Vorhaben, einer Aufgabe, einer Herausforderung.  Nehmen wir das Beispiel des Lesekreises. Es gibt sie überall auf der Welt, weil Menschen gern lesen und sich dann darüber austauschen wollen. Lesen ist ja etwas Einsames, Austauschen hingegen ist etwas Gemeinsames und ein Lesekreis verbindet beides miteinander. Üblicherweise einigt sich die Lesegruppe auf ein Buch, das alle lesen und dann wird bei den Treffen darüber gesprochen. Die Art und Weise WIE

Was Wo Wie Wann Wer und Wozu

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Fragen, die zu klären sind, wenn es darum geht, etwas zu organisieren. Was wollen wir organisieren? Sagen wir es geht um einen Lesekreis.  Wo soll er stattfinden? Vielleicht in der Stadtbibliothek.  Wie wollen wir es machen? Hm... diese Antwort braucht mehr Platz als nur eine Zeile, denn das Wie ist das Allerwichtigste, was zu klären ist. Weil die Art und Weise, wie wir den Lesekreis anbieten, ausschlaggebend ist für die Möglichkeiten, die sich ergeben können. Das WIE ist die zentrale Frage und es ist gut, wenn man Methodenkenntnisse hat und weiß, wie man Gruppen bewegen kann, wie man leiten und führen kann, wie man auf Augenhöhe bleibt, wie man die Teilnehmenden einbindet und sie inspiriert, wie man offene Fragen stellt. Wann wollen wir es machen? Vielleicht am Donnerstagabend von 18 bis 20 Uhr. Wer soll es machen? Sagen wir Anne und Jürgen ...  natürlich nur, wenn sie wollen. (Beide sind einverstanden) Wozu wollen wir den Lesekreis organisieren? Diese Frage ist genau so wichtig wie

Vom Ich und vom Wir.

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Nach dem Berufsleben machen wir, also die meisten, erstmal laaaange Urlaub. Auch wenn wir nicht wegfahren, so fühlt es sich erstmal an wie Ferien. Freisein. Tun und lassen, was man will. Lange schlafen. Morgens im Schlabberlook rumlaufen. Erstmal gemütlich frühstücken. Zeitung lesen. Überlegen, was heute gekocht wird. Überlegen, was und wo man heute einkaufen geht. Ob überhaupt oder lieber nicht. Vielleicht plant man etwas für den Nachmittag oder Abend. Vielleicht auch nicht, weil es schön ist, alles einfach so laufen zu lassen. Niemand will mehr etwas von einem. Wie gesagt: man ist frei. Ich bin frei.  Ich kann übrigens immer häufiger ich sagen ohne mich egoistisch zu fühlen und ohne als solche angesehen zu werden. Irgendwie verschwinden nämlich die Wirs beim Älterwerden. Ich sagen ist also eine Aussage, die die Wirklichkeit spiegelt. Und damit kann es nicht als egoistisch gelten. Das Wir der Familie endet meist im Wir des Alten Paares, und von dem bleibt irgendwann auch nur einer ode

Frustration wirkt.

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Wer lange lebt, hat wahrscheinlich viel Erfahrung mit Frustration. In Phasen, in denen man große Erwartungen hat, viele Wünsche, viele Träume, diese sich aber nicht oder nur teilweise erfüllen, aus welchen Gründen auch immer, ist Frustration die entsprechende Reaktion.  Ich bin allerdings erstaunt, wie selten gesagt wird „Ich bin frustriert“. Meistens wird die Wirkung von Frustration formuliert: ich bin sauer, ich bin verärgert, ich bin enttäuscht, diese blöde Kuh!, der Arsch!, ich mache nie wieder etwas, und so weiter und so weiter. Ein ganzer Fächer an Gefühlen und Wirkungen, die aus Frustration kommen. Aus dem Internet kopiert:  Was bewirkt Frustration? Je nachdem, wie hoch oder niedrig unsere Frustrationstoleranz   ist , sind wir schneller oder weniger schnell   frustriert , wenn etwas nicht erwartungsgemäß verläuft. Auf   Frustration  reagieren wir in der Regel enttäuscht, verärgert, aggressiv, manchmal auch verbittert, demotiviert, deprimiert oder gar depressiv. Frustration erleb

Dieses Drehen um die eigene Person ist der Wahnsinn.

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Solange wir arbeiten gehen, beruflich in bestimmten Rollen sind und auf unsere Wirkung achten und Aufgaben erledigen müssen, kontrollieren wir unsere inneren Impulse. Anders wäre berufliches Sozialleben nicht denkbar. Wenn wir aber nicht mehr beruflich unterwegs sind, wenn wir pensioniert sind oder in Rente, dann müssen wir uns um unsere Wirkung nicht mehr auf dieselbe Weise kümmern wie in einer beruflichen Rolle. Sie kann uns sogar vollkommen egal sein. Es geht ja um nichts mehr.  Heißt das, dass wir dann unseren inneren Impulsen freien Lauf lassen können? Können wir sie sozusagen von der Leine lassen und ihnen folgen, ohne Rücksicht auf Verluste? Weil wir nichts mehr zu verlieren haben? Nach dem Motto: „So bin ich eben!“? Ich bin erstaunt, dass ältere Menschen, frei von beruflichen Zwängen und oft auch frei von anderen Verpflichtungen, davon auszugehen scheinen, dass sie sich nicht mehr um Rollenverhalten kümmern müssen, sondern immer und überall so sind, wie sie eben sind. Frei und

Ein Nagel für meine Expertise.

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 „Wo ist der Nagel, an dem ich mein Wissen und Können aufhängen kann? Ich brauche es nicht mehr. Es wird nicht mehr abgerufen. Niemand will es mehr haben. Dabei ist es keineswegs alt und überholt, denn ich habe mich immer weiter gebildet, bin also auf dem neuesten Stand. Wer alt ist, bin ich. Deshalb wurde ich in den Ruhestand geschickt. All mein Wissen und Können nehme ich mit, weil es in mir drin ist. Was ich nicht mitnehme, ist all das, was mir die Anwendung meiner Fähigkeiten und meines Wissens möglich gemacht hat. Ich werde sozusagen in die Wüste geschickt. Nachhause.“ Zuhause ist natürlich keine Wüste. Zuhause ist privat. Die andere Seite des Lebens. Beruf und Privat sind für die meisten gegensätzlich, zumindest erleben sie es so. Aber hier wie dort sind wir wir. Bin ich ich. Die Frage ist, wer bleibt übrig, wenn ich nicht mehr beruflich tätig bin, weil ich ein bestimmtes Alter erreicht habe. Ein Alter, das als alt gilt.  Je mehr ich darüber schreibe, umso brutaler empfinde ich d

Wenn Wissen und Können keine Rolle mehr spielen.

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Wer bin ich ohne mein Wissen und Können? Die Frage finde ich irgendwie beängstigend und ich merke, dass ich sie  ungern öffentlich behandeln würde. Ich habe das Gefühl, dass es intim wird wenn ich mich von meinem Wissen und Können desidentifiziere. Dabei bin ich schon lange ohne Expertise unterwegs und greife nur dann darauf zurück wenn ich für die Rolle der Expertin angesprochen werde. Wenn ich zum Beispiel eine Anfrage für einen Workshop oder eine Lesung erhalte, dann bin ich voll und ganz mit meinem Wissen und Können identifiziert, dann hole ich es in den Vordergrund. Aber sonst? Die berufliche Welt funktioniert indem wir uns in Rollen begeben für die ein bestimmtes Wissen und Können vorgesehen ist. Wir gehen in Funktionen, übernehmen Aufgaben, wir tun wofür wir ausgebildet wurden und bezahlt werden. Das ist der Deal. Ich lerne und schaffe mir Wissen und Können drauf und stelle es dann zur Verfügung, indem ich es verkaufe.  Ich vermute, dass manchmal und vielleicht sogar oft, die Id

Mit Wissen und Können ins Nichtwissen und Nichtkönnen.

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Für ein gutes und zufriedenes Leben im Alter sind Wissen und Können offensichtlich nicht wichtig. Klar, was man weiß, weiß man und was man kann, kann man. Wissen und Können sind einfach da, aber wir brauchen sie nicht mehr. Wenn wir Wissen und Können als geistige Fähigkeiten annehmen, gekoppelt mit der Fähigkeit, sie anzuwenden, dann ist klar, dass, wenn uns die Möglichkeiten der Anwendung fehlen, Wissen und Können nicht mehr voll zum Einsatz kommen können. Wenn es mir also wichtig ist, auch nach der Berufstätigkeit weiterhin mein Wissen und Können anzuwenden, dann muss ich mich darum kümmern, ein Anwendungsgebiet dafür zu finden. Ich muss mich vielleicht selbständig machen oder mich aufmachen und im Bereich meiner früheren Arbeit darum bitten, mitmachen zu dürfen oder ich suche mir ein anderes Feld, in dem das, was ich weiß und kann gebraucht wird.  Natürlich sind wir alle viel mehr als unser Wissen und Können, das wissen wir. Die Frage ist, wer wir sind wenn wir nicht wissen und nich

Angst, Kriegstrauma und Bluthochdruck

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Der Krieg gegen die Ukraine lässt hierzulande derzeit niemanden kalt, anders als andere Kriege in der Welt. Alle Medien sind voll mit Bildern und Texten. Das Fernsehen berichtet ständig darüber. Unser deutsches kollektives Kriegstrauma wird angerührt und kann sich, je nach dem was damals im letzten Weltkrieg erlebt wurde, durch mehr oder weniger starke Gefühle äußern. Ich habe jedenfalls Angst. Das aber habe ich erst vor ein paar Tagen gemerkt. Ich will kurz beschreiben, wieso es so lange gedauert hat. Um besser verstehen zu können, was da eigentlich in der Ukraine vor sich geht, auch was die Hintergründe angeht, habe ich erstmal zu Beginn des Krieges viel gelesen. Mit der Zeit merkte ich aber, dass diese vielen Informationen keineswegs dazu beitrugen, dass ich ruhiger wurde, im Gegenteil.  Dann kamen vor ungefähr zwei Wochen Schwindelgefühle. Eher beiläufig habe ich meiner Physiotherapeutin davon erzählt und sie hat sofort das Buktdruckmessgerät geholt. Die Werte waren viel zu hoch. B

Kann denn mal einer den Politiker: innen den Unterschied zwischen persönlich und privat erklären!

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 Vorhin las ich bei Spiegel Online eine Kolumne, in der es um Olaf Scholz geht. Da steht u.a.:  „Er sei persönlich für die Impfpflicht, wollte sich aber als Bundeskanzler dafür nicht einsetzen. Das war schon absurd genug, als gäbe es einen Unterschied zwischen dem Menschen und dem Kanzler Scholz.“  Wenn es stimmt, was die Kolumnistin schreibt, dass Herr Scholz das Wort „persönlich“ in diesem Zusammenhang genutzt hat, so hat er einfach zwei Begriffe miteinander verwechselt und das hat die Kolumnistin nicht bemerkt. Und zwar persönlich und privat. Hätte Herr Scholz anstelle von "persönlich" "privat“ gesagt, hätte die Autorin ihn verstanden und sich sicherlich nicht empört, denn es ist klar, dass Herr Scholz nicht privat ist wenn er Politik macht. Aber er ist, und das kann man nur hoffen, immer persönlich. Wäre er es nicht, müsste man sich Sorgen machen. In diesen Tagen wird Herr Scholz sehr wegen seiner Art zu kommunizieren kritisiert. Ich vermute, er will in gar keinem Fa

Privatmensch oder weltbezogener Mensch mit einem Privatleben.

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Nachdem wir im Alter angekommenen sind, uns aber eher nicht alt fühlen, ist für viele die Frage: Was jetzt? Manche haben Lust auf Neues und Herausforderungen. Manche suchen nach Betätigungsfeldern. Sie orientieren sich. Sie engagieren sich. Aber nicht alle Alten haben Lust auf Neues und auf Herausforderungen. Viele wollen ihre Ruhe haben und ihr Privatleben so schön wie möglich gestalten, sich etwas gönnen und genießen. Die einen wollen privatisieren und die anderen können sich ein Leben ohne aktiven bzw. proaktiven Weltbezug nicht vorstellen.  Aktiv sind heutzutage alle Alten. Die Privatisierer:innen genauso wie die proaktiv Weltbezogenen. Aber es ist anders als Privatisierer:in aktiv zu sein als in einer Aktivität zu sein, die über das Private hinausgeht. Ich muss zugeben, dass mich diese Unterscheidung schon lange fasziniert, denn ich stelle immer wieder fest, wie sie den wirklich großen Unterschied macht wenn man unter Alterskohorten ist und miteinander spricht und sich austauscht.