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Bescheidwissertum

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Wer Bescheid weiß, weiß wie etwas zu gehen und wie etwas zu sein hat. Bescheidwisser:innen sind immer zur Stelle, auch wenn ihr Wissen und Können in manchen Fällen nicht der Gemengelage entspricht, so wissen sie dennoch Bescheid. Da sind sie gnadenlos. Ich glaube, Bescheidwisser:innen können es einfach nicht aushalten, etwas nicht zu wissen und zu können. Sie haben einfach keine Vorstellung von sich und kein Verhalten für sich zur Verfügung wenn die Lage Nichtwissen und Nichtkönnen erfordern würde. Ich vermute, sie können sich einfach nicht vorstellen, dass manches erst dann auftauchen kann, wenn Wissen und Können still sind. Poetisches zum Beispiel. Überhaupt: Kreativität kann sich erst entfalten wenn sich Wissen und Können zurückhalten und den Raum offen lassen für etwas, was nicht gewusst und nicht gekonnt wird. Für Neues. Anderes. Ich kenne das Wort Bescheidwissertum erst seit einigen Tagen. Ich habe es im Fernsehen gehört. Von Harald Schmidt. Er wurde interviewt. Von Denis Scheck

Ist mein Wissen wirklich meins?

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Was ist überhaupt Wissen? Ist Wissen beständig oder vergänglich? Und gehört mein Wissen überhaupt mir? Wissen besteht aus Inhalt, der durch unterschiedliche Kanäle zu einem gelangt. Dieser Inhalt bleibt, oder er verschwindet wieder. Wie das genau passiert, also ob er bleibt oder wieder geht, weiß ich nicht zu sagen. Ich würde gerne wissen, wieso ich das eine behalte und das andere nicht. Jedenfalls entscheide ich nicht bewusst darüber, wie haltbar mein Wissen ist bzw. wie vergänglich.  Ich habe das Gefühl, Wissen ist etwas Lebendiges in mir drin und führt ein Eigenleben, das jedoch direkt und unmittelbar mit meinen jeweiligen Lebensumständen verknüpft ist. Mein Wissen ist nicht losgelöst von dem, was ich denke und sage und tue. Diese lebendige Verbindung lässt mich fragen, ob es überhaupt richtig ist von MEINEM Wissen zu sprechen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich es besitze, sondern mehr dass es da ist, wenn ich es brauche. Manchmal ist es aber auch nicht da. Dann kümmere ich mich d

Was machst du mit deinem Wissen und Können? (9)

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* Marie, 78, Sinzenich im Januar 2022.  Das ist eine Frage, die sofort bei mir Bedauern und ein wenig Trauer auslöst. Weil ich nicht genug damit mehr machen kann. Also ich habe bisher Seminare und Beratungen gemacht, jetzt mache ich diese ehrenamtlichen Tätigkeiten, organisiere hier eine Tagung und dort und mache die Sache mit den Vorsorgevollmachten. Das schöpft mein Wissen und Können aber nicht aus. Vieles liegt einfach brach und brodelt in mir, und ich bin manchmal traurig darüber, dass nicht jüngere Menschen, zum Beispiel aus meiner Familie, wie mein Neffe, irgendwie wild darauf sind, von meinem Wissen und Können und meinen Erfahrungen zu profitieren. Ist aber nicht so. Das liegt brach. Und wird zum großen Teil auch brach liegen bleiben, denn nicht alles, was ich weiß und kann, kann ich so über die Zeit retten. Was ich ganz gut kann, zum Beispiel Tagungen vorbereiten und Abläufe organisieren, das versuche ich noch weiter zu machen, aber es ist weniger. Könntest du mal in Stichworte

Aus dem Projekt - Prozess, 20. Januar 2022.

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Seit über einem Monat stelle ich also Menschen, genauer gesagt Frauen über 65 die Frage Was machst du mit deinem Wissen und Können?  Am 13. Dezember 2021 habe ich sie zum ersten Mal einer Freundin gestellt und ihre Antwort aufgenommen und anschließend transkribiert. Seit dem 13. Januar 2022 poste ich die so entstandenen Texte hier in diesem Blog.  Warum bisher nur Frauen? Weil es sich noch nicht ergeben hat, die Frage auch Männern zu stellen. Erstmal frage ich in meinem privaten Umfeld und das besteht überwiegend aus Frauen.  Natürlich habe ich auch mir selbst die Frage gestellt Was machst du mit deinem Wissen und Können?   Meine Antwort darauf hat mich dazu gebracht, dieses Projekt zu starten, es ist sozusagen meine Antwort. Ich habe kein Konzept für dieses Projekt entwickelt und schon gar nicht einen genauen Ablauf und auch kein Ziel, sondern bin sogleich in die Umsetzung gegangen. Ich habe angefangen ohne zu wissen wohin es mich führen wird, wenn ich dieselbe Frage vielen Menschen ü

Was machst du mit deinem Wissen und Können? (8)

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* Birgit, 67, Euskirchen im Januar 2022.  Die Frage ist vielleicht noch ein bisschen zu früh. Ich fühle mich noch wie in einem Inkubator. Ich habe jetzt zum ersten Mal wirklich Zeit und wirklich Ruhe, mich reinzufinden in die neue Lebenssituation.  Wann hast du aufgehört mit der Arbeit? Am 1. Oktober 2021. Vor drei Monaten. Momentan ist es noch so, dass ich alles noch gerne weiter gären lassen möchte. Ich möchte der Versuchung widerstehen, sofort in eine neue Form, eine Initiative oder Gruppe zu gehen. Ich will erstmal Zeit haben zu gucken, was für mich kommt. Die neue Projektidee, oder das mit der Website zu verwirklichen, was schon so lange brach liegt und wozu ich nie die Zeit und Energie hatte, das ist jetzt erstmal mein Vordringlichstes.  Kannst du beschreiben, woraus dein Wissen und Können besteht? Mein Können, das kann ich sagen, ist über die Jahre gewachsen. Ich bin eine gute Netzwerkerin. Ich bin eine gute Koordinatoren und ich bin auch immer wieder Initiatorin. Das ist, was i

Was machst du mit deinem Wissen und Können? (7)

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* Berni, 74, Mülheim/Zülpich im Dezember 2021.  Eigentlich mache ich das, was ich immer gemacht habe. Nur in einem kleineren Rahmen. Das Können ist ja irgendwannmal durch eine Ausbildung entstanden. Ausgebildet bin ich in der Landwirtschaft. Als Kind habe ich schon eine Grundlage bekommen, einfach weil ich mit den Erwachsenen spielend mitgegangen bin. Vor allen Dingen hat mir mein Opa sehr viel handwerkliches Können beigebracht. Dann habe ich die Ausbildung gemacht und war etwas traurig, weil ich nicht mehr Schule machen konnte oder ins Ausland durfte, sondern zuhause im Betrieb arbeiten musste. Ich habe sowohl im Haushalt als auch im Betrieb, also draußen, mitgearbeitet mit den Männern. Mit Treckern und großen Maschinen. Die zu reparieren, das war immer das Größte.  Dann habe ich geheiratet und konnte das Wissen vom Haushalt in meinen eigenen Haushalt einbringen. Ich bin dann in einen Betrieb reingewachsen, den ich zusammen mit meinem Mann auch teilweise verändert habe. Wir haben wirt

Was machst du mit deinem Wissen und Können? (6)

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Illa, 76, Erftstadt-Lechenich im Dezember 2021.  Mein Wissen und Können hat ja meinen Beruf über 34 Jahre ausgemacht. Als ich damit aufgehört habe, da tat ich dann ja nicht mehr diese Dinge bei denen ich mein Wissen und Können eingesetzt habe.  Woraus besteht dein Wissen und Können? Zum Beispiel, dass ich genug über Textilien wissen musste. Dann war ich auch Ausbilderin und musste auch eine Ausbildereignungsprüfung haben. Ich musste auch geeignet sein, Menschen zu führen, vor allen Dingen auch Jugendliche. Dann habe ich auch politische Arbeit gemacht, ich war mit einer Journalistengruppe in Düsseldorf zusammen. Wir haben im Mittelstand Preise verliehen und solche Sachen. Dafür musst du ja auch Kenntnisse haben. Manchmal nur im Kopf, manchmal brauchst du auch Fertigkeiten mit der Hand. Ja, alle diese Dinge, die ich dafür brauchte, brauchte ich ja dann nicht mehr.  Und wo sind sie hin? Sie sind noch da. Wenn ich diesen Beruf wieder machen würde, oder nochmal aufgreifen würde, dann könnte

Was machst du mit deinem Wissen und Können? (5)

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*Hanne, 74, Köln im Dezember 2021. Mein Wissen und Können bringe ich ein in Texte, die ich schreibe, in Gespräche, in Notizen, die ich mir mache, und ich nutze mein Wissen und Können, um mir mehr Wissen anzueignen, weil ich dadurch weiß, wo und wie mache ich das. Bist du zufrieden mit der Gemengelage, die du gerade skizziert hast, was dein Wissen und Können angeht? Nein. Ich bin der Meinung, dass ich ein viel breiteres Anwendungsfeld für mein Wissen und Können, Erfahrungen würde ich auch dazurechnen, haben könnte.  Zum Beispiel? Zum Beispiel in den Austausch gehen mit anderen, mit älteren oder mit jüngeren. Zum Beispiel mehr darüber publizieren.  Was du jetzt genannt hast, da würde ich sagen, das könntest du doch herstellen, oder?  Das könnte ich herstellen oder das stelle ich her, wenn mir ein Thema auf den Nägeln brennt. Dann stelle ich es her. Ich stelle es nicht her, wenn mir ein Thema nicht auf den Nägeln brennt. Dann bräuchte ich eine Animation oder eine Motivation, um dann auch

Was steckt hinter der Frage "Was machst du mit deinem Wissen und Können?"

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Seit 2017 bin ich in der Melanchthon-Akademie in Köln zusammen mit einer Kollegin für die Seminare zuständig, die ein Mal im Jahr für Menschen angeboten werden, die ihr Leben nach der Berufstätigkeit gestalten und sich freiwillig engagieren wollen. Wo auch immer, in welchem Thema auch immer, in welcher Rolle auch immer. Alles ist offen und vieles ist mögliches.  Das Seminar geht über sechs Tage in Blöcken von je zwei bzw. einem Tag, und zum Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat, dass ihre Teilnahme bestätigt. Sie sind dann Seniortrainer/Seniortrainerin. Der Begriff Seniortrainer/Seniortrainerin wurde vor ungefähr zwanzig Jahren für dieses Bildungsprogramm geschaffen, das damals bundesweit aufgelegt wurde im Hinblick auf den demographischen Wandel und mit der Idee, dass nach der Berufstätigkeit noch eine lange Lebensphase kommt, die gestaltet und ausgefüllt werden will, nicht nur privat, sondern auch mit einem aktiven Weltbezug  Das EFI-Bildungsprogramm wird in Köln an der

Was machst du mit deinem Wissen und Können? (4)

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* Lissy, 81, Brühl im Dezember 2021. Das verarbeite ich eigentlich nur mit mir selber. Und wenn es sich ergibt, dass ich das im Austausch mit anderen ... aber mein Leben ist sehr einsam geworden, so dass ich wenig Gelegenheit habe, mit anderen über bestimmte Dinge zu sprechen.  Du gehst aber davon aus, dass in dir Wissen und Können ist. Ja natürlich. Ja. Aber ich muss immer wieder feststellen, schade, dass ich darüber nicht reden kann. Weil niemand da ist. Mit meiner Enkelin, das sind junge Leute, die haben ganz andere Probleme und andere Interessen. Und mit meiner Tochter? Weniger, da geht es mehr um Gegenwärtiges. Aber jetzt auch diese ganze Russlandgeschichte, die ich verfolgt habe, die sehr interessant war, was ich da alles gesehen habe, was sehr schön war,  bei Phoenix. Früher haben wir das ja alles vorgegaukelt bekommen von unserer Partei. Das war ja alles ganz anders. Stalin war ja gar kein Verbrecher. Und ich finde es sehr sehr schön, dass ich das in meinem Leben alles noch mit