Freundinnen, die miteinander sprechen.
Aus der Perspektive einer alten Frau, die sich mit ihren ebenfalls alten Freundinnen trifft.
Manchmal trinken wir Café, oder Tee. Manchmal essen wir auch Kuchen. Aber eher selten. Manchmal gehen wir spazieren. Keine langen Strecken mehr, sondern einmal um den Block oder durch den Park. Aber immer sprechen wir miteinander.
Ich treffe mich nur noch mit den Freundinnen, mit denen mir das Sprechen und Zuhören Freude macht. Ich habe herausgefunden, dass es mir keine Freude macht mit denjenigen, die gerne über andere sprechen und reden um des Redens willen, die sozusagen kein inneres Gespür zu haben scheinen und keinen echten inneren Bezug haben zu dem, was sie sagen. Sie reden einfach. Es ist, wie wenn sie sich ausgießen und etwas füllen wollen würden.
Unkontrolliertes Sprechen und Drauflosreden ertrage ich nur noch, wenn mir die Beziehung mit diesem Menschen sehr wichtig ist und ich sie in keinem Fall aufgeben möchte, also mit Familienmitgliedern.
Dieses Sich-ausgießen und etwas Füllen-wollen scheint mir eine innere Haltung zu sein, die möglicherweise nicht bewusst eingenommen wird, die aber durchscheint, wenn Informationen gegeben werden und Daten und Fakten mit Interpretationen, Vermutungen und Deutungen gemischt werden. Da ist keine Ordnung im Redeschwall, und irgendwie auch kein Bewusstsein darüber, dass die andere Person, die zuhört, mit dem, was sie hört, zurechtkommen muss. Da wird auch oft hin und her gesprungen, was die Inhalte angeht. Und natürlich weiß ich, dass diejenigen, die so miteinander reden, es schön miteinander haben und sich nahe fühlen können. Aber mir gelingt es leider nicht mehr. Für mich sind Worte im Wert gestiegen, vor allem in den letzten Jahren, in denen so unsäglich leichtfertig, auch auf allen öffentlichen Kanälen, damit umgegangen wird.
Gottseidank habe ich Freunde und Freundinnen, deren Umgang mit Worten dem meinen entspricht. Mit ihnen Zeit zu verbringen wird mir immer wichtiger, denn es nährt mich emotional, spirituell und intellektuell. Austausch ohne andere füllen zu wollen, ohne andere überzeugen zu wollen, ohne recht haben zu wollen, einfach nur Gedanken und Gefühle zu formulieren und das so echt, ehrlich und mutig wie im Moment möglich, ist zu meiner Lieblingsbeschäftigung geworden.

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