Sitzen und schauen.

Es ist draußen sehr heiß in diesen Tagen. Heute soll es wieder über 30 Grad werden und in den kommenden Tagen soll die Temperatur weiter steigen und nachts nicht unter 20 Grad fallen. Das ist anstrengend für einen 80jährigen Körper, der durchaus gesund ist, aber eben alt. Vor einigen Tagen gab es eine Veröffentlichung des Robert Koch Instituts, in der von mehr als 5000 Toten in der ersten Hitzeperiode im Juni gesprochen wird. In Köln sind an dem heißen Wochenende drei Mal so viele Menschen gestorben wie  üblich. Überwiegend alte Menschen. 

Wenn etwas körperlich anstrengend wird, meldet sich mein Mindset mit Glaubenssätzen. Das war wahrscheinlich immer schon so, aber es fällt mir in letzter Zeit besonders schnell auf. Zuletzt war in unserem Haus der Aufzug kaputt. Ich wohne im dritten Stock und wenn ich mit dem Auto unterwegs war, komme ich aus der Tiefgarage, was bedeutet, dass es vier Stockwerke hoch geht. Und das mit der vollen Einkaufstasche. Ich weiß, dass ich es schaffe. Ich weiß, dass ich es ohne Schmerzen schaffe. Ich habe darauf geachtet, nichts Unnötiges zu kaufen. Ich fühle mich gut. Und dennoch gibt es kleine Gedankenfetzen, die mein Vertrauen in meine körperliche Fitness untergraben. Sie sind so klein, dass sich keine ganzen Sätze bilden, die ich hier schreiben könnte, es sind Nuancen von Zweifel und eine Art Ängstlichkeit, die ich sozusagen einfangen muss, um Stufe für Stufe hochsteigen zu können. 

Sobald mich etwas körperlich anstrengt, will ich am liebsten einfach nur sitzen und schauen. 

Geistige Anstrengung aber liebe ich, auch weil ich dabei sitzen und schauen kann.

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