Diskussionen führen oft in die Verwirrung.

In Gruppen wird oft und gern diskutiert. Es geht dabei meist um ein bestimmtes Thema, das zu besprechen ist und oft auch darum, zu einer Einigung zu kommen, also zu einem Beschluss, damit es weitergehen kann mit dem, was die Gruppe sich vorgenommen hat.
Diskussion heißt, dass alle Beteiligten die Möglichkeit haben, sich zu Wort zu melden und darzustellen, was ihre Meinung ist. Es heißt auch, dass die Anwesenden auf das, was die anderen sagen, reagieren können. Die häufigste Reaktion ist ein Widerspruch oder eine Aussage, die einen anderen Aspekt ins Spiel bringt.
Oft wird bei solchen Diskussionsrunden nicht unterschieden zwischen Information und Gedanke und Empfindung und Idee und Meinung und Befürchtung und Bedenken und Einwand. Dieses Nichtunterscheiden kann dazu führen, dass immer mehr Worte ins Spiel kommen, die sich, wenn es gut läuft, alle IRGENDWIE ums gemeinsame Thema drehen, aber soviel unterschiedliche Aspekte ansprechen, dass den Beteiligten IRGENDWANN der Kopf schwirrt.
Das ist dann oft der wichtigste Moment im Meeting. Der Moment der größten Verwirrung ist für Strategen ein gefundenes Fressen, denn sie wissen ihn für ihre Zwecke zu nutzen und bringen das ins Spiel, wonach sich alle sehnen: Ordnung. Und oft verbinden sie mit dem Herstellen von Ordnung ihre  eigene Meinung und schwuppdiwupp gibt es eine Abstimmung, und schwuppdiwupp haben diejenigen sich durchgesetzt, die von der Vielfalt der ungeordneten Wortbeiträge nicht in Verwirrung geraten sind.
Dabei ist diese Verwirrung keineswegs hergestellt oder heraufbeschworen worden, sondern sie hat sich ganz von selbst erzeugt, indem die Gruppe sich auf eine Diskussion eingelassen hat, in der das einzige Ordnungskriterium, auf das sich alle eingelassen haben, das der Redeliste ist, also der Abfolge von Wortbeiträgen, die sich nach den WortMeldungen richtet.
Was passiert aber mit dem Inhalt, der durch jeden Wortbeitrag produziert wird? Inhaltlich gesehen muss jede und jeder Einzelne in seinem/ihrem Kopf dafür sorgen, dass all die vielen Worte sich einordnen in das, was man selbst denkt. Dabei entsteht dann oft eine Überforderung, die das innere Ordnungssystem so löst, dass es irgendwann aufhört, genau zuzuhören und man nur noch auf Reizworte reagiert... und sich natürlich wieder zur Wort meldet... weil man das so nicht stehen lassen will, was gesagt wurde... und damit zu noch mehr Worten beiträgt und zu noch mehr Unordnung.
Ich würde sagen, dass die Redeliste bei Diskussionen nicht das einzige Ordnungskriterium sein sollte. Die Wortbeiträge sollten sich nach weiteren festzulegenden Kriterien richten, oder aber der oder die Moderatorin sollte nach jedem Wortbeitrag, die produzierten Inhalte visualisiert einordnen.
Das trägt dazu bei, dass alle inhaltlich zusammen bleiben und das Reiz-Reaktions-Schema unterbrochen wird und es nicht zu dem Punkt kommt, an dem die Verwirrung so groß wird, dass sie von Strategen ausgenutzt werden kann.

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