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Selbstwirksamkeit im Alter hat nicht unbedingt etwas mit Wissen und Können zu tun.

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Wir gehen üblicherweise davon aus, dass Menschen, die lange auf der Welt sind, viel Wissen und Können angesammelt haben. Also schien die Frage naheliegend: Was machen ältere Menschen mit ihrem Wissen und Können? Im Laufe der Interviews aber habe ich gemerkt, dass es im Alter gar nicht so sehr um angesammeltes Wissen und Können geht, sondern zum Beispiel darum, die Kinder bei der Betreuung der Enkelkinder zu unterstützen oder einer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen oder im Garten zu arbeiten oder auch darum, das eigene Wissen und Können weiterzugeben. Das, was alte Menschen machen, hat eigentlich ganz andere Beweggründe als ihr angesammeltes Wissen und Können anzuwenden . Wenn, dann wollen sie es weitergeben . Ihre Beweggründe sind dann nicht, etwas mit ihrem Wissen und Können zu machen, sondern der Kontakt mit anderen, an die sie es weitergeben können. In meinen Interviews aber habe ich nicht nach der Motivation gefragt sondern danach, wie sie mit ihrem Wissen und Können umgehen. Die

Angst, Kriegstrauma und Bluthochdruck

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Der Krieg gegen die Ukraine lässt hierzulande derzeit niemanden kalt, anders als andere Kriege in der Welt. Alle Medien sind voll mit Bildern und Texten. Das Fernsehen berichtet ständig darüber. Unser deutsches kollektives Kriegstrauma wird angerührt und kann sich, je nach dem was damals im letzten Weltkrieg erlebt wurde, durch mehr oder weniger starke Gefühle äußern. Ich habe jedenfalls Angst. Das aber habe ich erst vor ein paar Tagen gemerkt. Ich will kurz beschreiben, wieso es so lange gedauert hat. Um besser verstehen zu können, was da eigentlich in der Ukraine vor sich geht, auch was die Hintergründe angeht, habe ich erstmal zu Beginn des Krieges viel gelesen. Mit der Zeit merkte ich aber, dass diese vielen Informationen keineswegs dazu beitrugen, dass ich ruhiger wurde, im Gegenteil.  Dann kamen vor ungefähr zwei Wochen Schwindelgefühle. Eher beiläufig habe ich meiner Physiotherapeutin davon erzählt und sie hat sofort das Buktdruckmessgerät geholt. Die Werte waren viel zu hoch. B

Kann denn mal einer den Politiker: innen den Unterschied zwischen persönlich und privat erklären!

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 Vorhin las ich bei Spiegel Online eine Kolumne, in der es um Olaf Scholz geht. Da steht u.a.:  „Er sei persönlich für die Impfpflicht, wollte sich aber als Bundeskanzler dafür nicht einsetzen. Das war schon absurd genug, als gäbe es einen Unterschied zwischen dem Menschen und dem Kanzler Scholz.“  Wenn es stimmt, was die Kolumnistin schreibt, dass Herr Scholz das Wort „persönlich“ in diesem Zusammenhang genutzt hat, so hat er einfach zwei Begriffe miteinander verwechselt und das hat die Kolumnistin nicht bemerkt. Und zwar persönlich und privat. Hätte Herr Scholz anstelle von "persönlich" "privat“ gesagt, hätte die Autorin ihn verstanden und sich sicherlich nicht empört, denn es ist klar, dass Herr Scholz nicht privat ist wenn er Politik macht. Aber er ist, und das kann man nur hoffen, immer persönlich. Wäre er es nicht, müsste man sich Sorgen machen. In diesen Tagen wird Herr Scholz sehr wegen seiner Art zu kommunizieren kritisiert. Ich vermute, er will in gar keinem Fa

Privatmensch oder weltbezogener Mensch mit einem Privatleben.

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Nachdem wir im Alter angekommenen sind, uns aber eher nicht alt fühlen, ist für viele die Frage: Was jetzt? Manche haben Lust auf Neues und Herausforderungen. Manche suchen nach Betätigungsfeldern. Sie orientieren sich. Sie engagieren sich. Aber nicht alle Alten haben Lust auf Neues und auf Herausforderungen. Viele wollen ihre Ruhe haben und ihr Privatleben so schön wie möglich gestalten, sich etwas gönnen und genießen. Die einen wollen privatisieren und die anderen können sich ein Leben ohne aktiven bzw. proaktiven Weltbezug nicht vorstellen.  Aktiv sind heutzutage alle Alten. Die Privatisierer:innen genauso wie die proaktiv Weltbezogenen. Aber es ist anders als Privatisierer:in aktiv zu sein als in einer Aktivität zu sein, die über das Private hinausgeht. Ich muss zugeben, dass mich diese Unterscheidung schon lange fasziniert, denn ich stelle immer wieder fest, wie sie den wirklich großen Unterschied macht wenn man unter Alterskohorten ist und miteinander spricht und sich austauscht.

Aus dem Projekt - Prozess 14. April 2022.

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Immer wieder werde ich unsicher, ob ich weitermachen soll mit den Interviews. Vor allem dann, wenn ich das Feedback bekomme, die Interviews zu lesen sei uninteressant und langweilig. Ich frage mich dann, wieso ich es interessant finde und überhaupt nicht langweilig, wenn ich Menschen über 65 frage, wie sie mit ihrem Wissen und Können umgehen.  Erstmal finde ich den Prozess interessant, die erste Kontaktaufnahme, die Terminfindung, die Durchführung des Interviews, das Transkribieren der Audiodatei, die Korrektur seitens der Interviewpartner:innen und schließlich das Posten des fertigen Textes. Dieser Prozess ist mir seit vielen Jahren vertraut, seit 2007 interviewe ich Menschen zu ganz unterschiedlichen Themen. Immer im Selbstauftrag. Immer um die Texte auf einer eigenen Webseite, die zum Thema passt, zu veröffentlichen. Ein Mal ist ein Buch daraus geworden. Ab ins Wohnprojekt! Als ich mit den Interviews zum Thema Wohnprojekte anfing, war es vollkommen unklar, ob die Idee, ein Buch dar

Wie geht ihr mit eurem Wissen und Können um? Reinhold und Maria (18)

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Reinhold, 70, und Maria, 69, XXX im März 2022. Reinhold : Es gibt zweierlei, das eine ist natürlich das berufliche Wissen, das man sich angeeignet hat und das zweite ist Wissen, das man sich nebenher durch das allgemeine Leben oder auch durch Hobbys angeeignet hat. Wenn ich jetzt mal mit dem Beruflichen anfange, ich bin 2016 in die Rente gegangen, ein Jahr früher als normal, und war damit noch ein Jahr an die Firma gebunden und durfte sonst nichts weiteres tun. Dann ab 2017 war ich sozusagen von der Firma frei und konnte andere Aktivitäten machen. Ich habe dann aufgegriffen, was mir vorher schon mal angetragen worden war. Ich war in der Raumfahrt tätig und mir wurde vorgeschlagen, auf europäischer Ebene als unabhängiger Experte für die Begutachtung von Angeboten tätig zu sein, die im Rahmen der EU-Raumfahrtprogramme zur Förderung ausgeschrieben werden. Diese Angebote müssen bewertet, ausgewertet und kategorisiert werden bevor für sie eine Förderung ausgesprochen werden kann. Und in die

Wie gehst du mit deinem Wissen und Können um? Marlies (17)

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* Marlies, 66, Moers im März 2022. Mein Wissen und Können, das, was ich mir angeeignet habe, vor allem auch beruflich, hat für mich im Moment wenig Wert. Es ist wichtig für das, was ich daraus jetzt entwickle. Aber das eigentliche Wissen würde ich so gar nicht mehr weitergeben wollen. Ich habe ja als Sozialpädagogin gearbeitet, mit Jugendlichen in der Berufsvorbereitung. Und damals ist mir schon klar gewesen, dass das, was wir machen, nicht reicht für das, was die Jugendlichen brauchen. Ich bin letztendlich an dieser Arbeit in den Burnout gegangen. Weil dieser Widerspruch in mir viel zu groß war, denn ich habe immer mehr versucht darein zu geben und habe das gar nicht geschafft, was ich da machen wollte. Ich habe immer schon das Thema berufliche Orientierung gehabt. Was muss das sein? Wie muss das gehen? Da fehlt etwas in dem was wir an Methoden haben.  Ich habe ja auch eine therapeutische Ausbildung gemacht und hatte die Hoffnung, dass ich daraus Elemente in meine Arbeit einbringen ka

Wie gehst du mit deinem Wissen und Können um? Uwe (16)

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* Uwe, 67, Meerbusch im März 2022. Ich rufe es ab, wo immer ich es brauchen kann. Ich habe jetzt nach meinem Renteneinstieg einen Nebenjob als Gärtner auf einem Bürogelände angefangen. Da bringe ich den Garten so ein bisschen in Ordnung. Und wenn Hausmeistertätigkeiten zu erledigen sind und organisatorische Sachen im Garten, darum kümmere ich mich.  Du bist aber nicht Gärtner von Beruf, oder? Nein, ich bin ausgebildeter Sozialversicherungsfachangestellter. Damit habe ich angefangen. Dann habe ich mich zum Programmierer umschulen lassen und habe da einige Jahre gearbeitet, dann aber keinen Job mehr in diesem Bereich gefunden, weil zu dieser Zeit alles, was über 40 war, vermeintlich nicht mehr up to date und zu teuer war. Diese Kenntnisse der ganzen Computerausbildung kann ich leider nur noch zuhause und innerhalb der Familie etwas anwenden, aber nicht wirklich einsetzen. Gibt es denn etwas, wovon du sagen würdest: Das kann ich wirklich richtig gut? Ich sehe mich da eher als Allroundtale

Wie gehst du mit deinem Wissen und Können um? Rosi (15)

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*  Rosi, 66, Meerbusch im März 2022. Die neue Eingangsfrage ist: Wie gehst du mit deinem Wissen und Können um? Es hieß ja zuerst, was machst du mit deinem Wissen und Können? Ich habe mir überlegt, was kann ich und was weiß ich. Ich kann mich natürlich auf meinen früheren Beruf beziehen. Ich habe 40 Jahre als Lehrerin gearbeitet. Jetzt aber arbeite ich ehrenamtlich bei Oxfam und betreue dort die Buchabteilung. Wir leben ja von Spenden und das, was ich privat immer sehr gerne gemacht habe, kann ich dort jetzt fortführen. Würdest du mal beschreiben, was das ist, was du bei Oxfam fortführen kannst? Wir haben bei Oxfam verschiedene Abteilungen.Ich habe immer viel gelesen und betreue die englischsprachige Literatur und Krimis, Psychologie und Pädagogik, Kunst und Architektur. Das sind die Themen, die mich interessieren. Ich betreue jetzt diese Sparten und kann den Kunden auch Tipps geben. Die fragen manchmal: Ich suche das und das, können Sie mir helfen? Kunst und Architektur sind immer mein

Aus dem Projekt - Prozess, 5. März 2022

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Im Laufe des Projekts habe ich mich immer häufiger gefragt, ob meine Eingangsfrage in die Interviews offen genug ist, um den Radius für Antwortmöglichkeiten möglichst groß zu öffnen. Ich habe mich nämlich gewundert, dass kaum jemand sagt, er oder sie würde nichts oder nur sehr wenig mit ihrem/seinem Wissen und Können machen. Es ist natürlich klar, wenn ich frage: Was machst du mit deinem Wissen und Können? scheine ich davon auszugehen, dass man etwas damit macht und ich frage lediglich, was das ist.  Ich habe eingesehen, dass meine Frage nicht wirklich gut überlegt war. Ich finde, sie ist einfach zu eng und fordert offensichtlich auf, von dem zu erzählen, was man macht und nicht davon, dass man nichts macht. Mich interessiert aber auch, was diejenigen tun, die nichts mit ihren Kompetenzen machen. Also habe ich beschlossen, meine Eingangsfrage zu ändern in:  Wie gehst du mit deinem Wissen und Können um? Ich bin gespannt, ob sich die Antworten ändern werden und ob ab jetzt vermehrt davon

Was machst du mit deinem Wissen und Können? Franz (14)

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* Franz, 68, Siegburg im Februar 2022.  Ich bin zusammen mit meiner Frau in einem Wohnprojekt in einer Nachbarstadt aktiv, im zweiten schon, das erste ist gescheitert. Wir wollen uns gemeinsam ein Wohnumfeld schaffen, in dem wir dann auch gerne alt werden möchten. Wir wohnen jetzt sehr schön, das ist aber nur so lange schön, wie wir fit sind, weil wir vertikal wohnen, in einem Altbau mit hohen Geschossen auf drei Etagen plus Keller plus Dachboden. Das ist jetzt gut, aber dann nicht mehr gut, wenn wir nicht mehr so fit sind. Diese Überlegung war sicherlich der Hauptanstoß. Der zweite Punkt ist, wenn wir uns denn schon ein neues Umfeld suchen, dann wollen wir gemeinschaftliches Wohnen realisieren. Kannst du dein Wissen und Können in diese Wohnprojektgruppe einbringen?  Ich habe vorher Wohnungsbauförderung gemacht und bin vertraut mit Wohnungsbaufinanzierung und mit Planungsfragen, kenne das Thema Wohnprojekte und auch das Thema Wohnen im Alter schon aus der Berufspraxis. Ich bin mit viel