Sehnsucht nach Gemeinschaft

Gerald Hüther sagt, dass wir mit zwei widersprüchlichen Bedürfnissen auf diese Welt kommen. Das ist das Bedürfnis nach Verbundenheit einerseits und andererseits das Bedürfnis nach Autonomie. Wir wollen also dazugehören und wir wollen selbstbestimmt sein.
Um dazuzugehören müssen wir uns oft anpassen. Wenn diese Anpassung aber unser Bedürfnis nach Selbstbestimmtheit und Selbständigkeit einschränkt, dann haben wir einen Konflikt.
Ich kenne diesen Konflikt sehr gut. Er begleitet mich mein Leben lang. Üblicherweise löse ich ihn dadurch, dass ich mich zurückziehe und aus der Anpassungs-Anforderung aussteige. Damit gebe ich dann auch üblicherweise die Verbundenheit auf.
Aber ich suche sie immer wieder neu, immer wieder anders, in immer wieder neuen Rollen, mit immer wieder anderen Menschen, in immer wieder neuen Zusammenhängen.
Ich würde sagen, dass dieses Suchen nach immer wieder neuen Verbindungen mit anderen und das Ausprobieren und Ausloten meiner Anpassungs-Möglichkeiten mein Leben bestimmt haben und bestimmen.
Meine Sehnsucht nach gelingender Gemeinschaft ist sozusagen der Motor meines Lebens.
In letzter Zeit lese ich oft in Magazinen oder Büchern, dass es vielen Menschen so geht wie mir. Gemeinschaft ist ein gesellschaftlich relevantes Thema geworden. Viele outen sich mit ihrer Sehnsucht nach mehr Miteinander. Viele erzählen von ihren Versuchen, zusammen mit anderen eine Gruppe zu bilden, ein gemeinsames Anliegen zu verfolgen, eine Gemeinschaft zu bilden und wie sie das alles erleben. Manche sind erfolgreich, viele scheitern. Diese Gemeinschafts-Geschichten finde ich spannend. Sie zeigen, wie schwer es ist, zusammen mit anderen ein gutes Miteinander hinzukriegen. Wie wenig wir darin geübt sind, uns gegenseitig so zu nehmen wie wir sind. Und auch wie wenig wir darin geübt sind, und zu zeigen so wie wir sind. Und wie beglückend es ist, wenn es gelingt, beide Bedürfnisse gleichermaßen befriedigen zu können, das nach Verbundenheit und das nach Autonomie.




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