Organisationsstruktur im freiwilligen Engagement

Mein Thema und das Feld meiner Aktivitäten sind WohnprojektGruppen und Gruppen vor allem älterer Menschen, die nach dem Berufsleben ehrenamtlich unterwegs sind.
Manche der EhrenamtsGruppen werden von Hauptamtlichen geleitet, so dass eine Organisationsstruktur vorgegeben ist. In Köln, zum Beispiel, werden an vielen verschiedenen Orten Seniorennetzwerke von Hauptamtlichen aufgebaut, und nach einigen Jahren ziehen sich diese zurück und die Ehrenamtlichen müssen in ihrer eigenen Organisationsstruktur alleine weitermachen.
WohnprojektGruppen müssen von Anfang an ihre eigene Organisationsstruktur schaffen.

Ich war vor einigen Jahren bei einigen Anfängen von WohnprojektGruppen dabei und habe miterlebt,  dass das Thema Organisationsstruktur immer sehr schnell abgehandelt wurde. Es wurde nicht wirklich besprochen, weil die meisten, oder alle, nicht wirklich wussten WIE es hätte besprochen werden können und welche Möglichkeiten sie haben. Es schien immer so, als hätte die Gruppe nur die Wahl, jetzt schnell einen Verein zu gründen, womit eine Organisationsstruktur geschaffen würde, oder aber so zu tun als wäre man ein Verein, womit dieselbe Organisationsstruktur sozusagen simuliert wird. 

Nachdem ich einige Gruppen habe scheitern sehen und auch selbst an und mit Gruppen gescheitert bin und analysiert habe, was die Gründe dafür sind, habe ich angefangen, mich mit dem Thema Organisationsentwicklung zu beschäftigen. Da ich aber keine Bücher gefunden habe, die sich spezifisch mit dem Thema Organisationsentwicklung für ehrenamtlich arbeitende Gruppen beschäftigen, lese ich Bücher, die sich auf Unternehmen beziehen. Und das fasziniert mich. 
Derzeit lese ich NEW WORK needs INNER WORK von Joana Breidenbach und Bettina Rollow.
Untertitel: Ein Handbuch für Unternehmen auf dem Weg zur Selbstorganisation.

Ich habe bis jetzt immer gedacht, EhrenamtsGruppen und WohnprojektGruppen, die sich von Anfang an selbst organisieren, brauchen keinen ChangeProzess zu durchlaufen wie ein Unternehmen, das nach alten Strukturen aufgebaut wurde und funktioniert hat. Aber seit ich dieses Buch lese, kann ich erkennen, dass es sehr wohl einen ChangeProzess braucht, und zwar einen individuellen, persönlichen, inneren Change wenn die Gruppe partizipativ arbeiten will. Wenn sie will, dass alle gleichberechtigt sind, dass jede und jeder sich und sein/ihr Potenzial entfalten kann, wenn sie die Verantwortung teilen will. Denn vor allem die Älteren, also meine Generation und auch die, die danach kommt, sind es gewohnt, in hierarchischen Strukturen zu arbeiten und denken in Begriffen, die diese Strukturen wiederspiegeln: Vorstand, Schatzmeister, Beigeordnete usw.
Wir sind es auch gewohnt, Gruppentreffen so zu gestalten, dass eine/r moderiert und eine Redeliste führt und nacheinander alle aufgerufen werden, die sich melden. Wer sich nicht meldet, kommt nicht zu Wort. Und vor allem sind wir es gewohnt, nach dem Mehrheitsprinzip abzustimmen und glauben, was die Mehrheit will ist das Richtige. 
Ich babe in den letzten Jahren gelernt, dass dieses alles überholt ist, dass es andere, bessere Entscheidungsfindungen gibt, dass es andere, bessere Settings für Gruppentreffen gibt, dass es einen neuen Umgang mit Hierarchie gibt, zeitgemäß und modern, beruhend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber, wie wir Menschen ticken wenn wir gemeinsam unterwegs sind, gemeinsame Anliegen verfolgen, gemeinsam ein Ziel erreichen wollen.



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