Hierarchie in selbstorganisierten Gruppen

Zum Beispiel Wohnprojekt-Gruppen.
Leute tun sich zusammen mit der Idee, gemeinsam in einem Haus zu wohnen. Wie die einzelnen Wohnsituationen gestaltet werden, ist verschieden, aber meistens will jeder und jede ihre eigene Wohnung haben. Gemeinsam hat die Gruppe dann noch einen Gemeinschaftsraum für das Gruppenleben. Oft wird der Gruppe schnell klar, WAS zu tun ist, damit aus der Idee Wirklichkeit wird. Eins aber wird üblicherweise weder bedacht noch besprochen, und das ist das WIE.
Wie tun wir das, was zu tun ist?
Wie treffen wir als Gruppe Entscheidungen?
Wie kommunizieren wir innerhalb der Gruppe?
Wie kommunizieren wir nach außen?
Wie wählen wir unsere Sprecher*in?

WIE ORGANISIEREN WIR UNS?

Diese Frage ist aus meiner Sicht das wichtigste Thema, das zu Beginn einer Wohnprojektgruppe besprochen werden sollte. Dazu ist es gut zu wissen, was Organisationsentwicklung bedeutet, welche Möglichkeiten der Selbstorganisation es gibt und wie sich das Thema in den letzten Jahren ganz allgemein entwickelt hat. Meine Erfahrung ist, dass es da viel zu lernen gibt.
Lernen allerdings ist nicht unbedingt das, was die Einzelnen sich so vorstellen, wenn sie anfangen, sich mit anderen zu treffen, um ein Wohnprojekt zu planen.

Ohne Lernen kann eine Gruppe nicht erfolgreich sein!
Das behaupte ich jetzt hier mal, und ich weiß gleichzeitig, dass es so nicht stimmt.
Denn es kann passieren, und dafür gibt es genug Beispiele, dass eine*r oder zwei in einer Gruppe alles oder vieles mitbringen, was es braucht, um eine Wohnprojektgruppe zum Erfolg zu führen und sozusagen automatisch in die Rolle des Leiters oder der Führerin gelangen und die anderen das auch so wollen. Die so entstehende oder entstandene Hierarchie wird häufig nicht hinterfragt, vor allem dann nicht wenn es funktioniert und das Projekt seinen Weg zum Erfolg findet.

Übrigens: dieses Hierarchiemodell einer selbstorganisierten Wohnprojektgruppe führt nur in den harten Daten und Fakten zum Erfolg, also das Haus wird irgendwann stehen und die Gruppe wird irgendwann einziehen. Wenn jedoch dann, wenn alle wohnen, die Gemeinschaft zusammenwachsen soll, wenn es um innergemeinschaftliche Angelegenheiten geht, wenn es um Konfliktlösungen und Beziehungen geht, wenn Rollen definiert werden müssen, wenn es um weiche Fakten und Daten geht, dann greifen die Fähigkeiten dieser Person, die an der Spitze der Hierarchie steht, oft nicht mehr. Dann sind andere Kompetenzen gefragt. Das jedoch wird häufig nicht gesehen, vor allem nicht von der Person, die die Gruppe bisher geführt hat. Und dann kommt es nicht selten zu einer inneren Revolution, zu gegenseitigen Verletzungen, zu Kränkungen und manchmal ziehen auch Leute nach kurzer Zeit wieder aus, weil sie diesen Konflikt nicht aushalten.
Er ist jedoch vorprogrammiert, wenn nicht von Anfang an zweigleisig gefahren wird, also unterschieden wird zwischen der sogenannten Hardware und der Software, zwischen harten und weichen Fakten und zwischen unterschiedlichen Kompetenzen, die nötig sind, wenn eine Gruppe nicht nur mit dem einen, sondern auch mit dem anderen Aspekt erfolgreich sein will.



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