Workshop zum Umgang mit Nichtwissen und Nichtkönnen.

Das wäre doch mal ein Angebot in einer Bildungseinrichtung für Erwachsene. Ein VHS- Kurs zum Beispiel. Ich fürchte jedoch, dieser Workshop würde wegen zu geringer Anmeldungen nicht stattfinden. Aber vielleicht irre ich mich auch. Mal sehn, ob ich mich mal traue und solch ein Workshop-Angebot mache.
Nichtwissen und Nichtkönnen wird üblicherweise als Mangel von etwas empfunden. Man will es nicht haben und versucht, diesen Mangel so schnell wie möglich zu beenden und sich das, was man nicht weiß oder kann, draufzuschaffen. So oder so oder so. Das ist ja auch eine gute Idee, denn Wissen und Können schaden in keinem Fall.
Jetzt leben wir aber in einer Zeit, in der Wissen und Können dermaßen vielfältig sind, dass wir alle, egal wie alt wir sind und was wir draufhaben, von Zeit zu Zeit damit konfrontiert werden, etwas nicht zu wissen und etwas nicht zu können. Und das ist der Moment, um den es mir geht und über den ich hier schreibe.
Mich interessiert dieser eine Moment, in dem ich feststelle, dass ich nicht auf dem Laufenden bin, dass ich nicht Bescheid weiß, dass mir Wissen fehlt und dass ich etwas nicht kann.
Wenn wir in diesem Moment alleine sind, so sind wir auch ausschließlich mit unserer eigenen Reaktion auf den vermeintlichen Mangel konfrontiert. Und die kann liebevoll und verständnisvoll sein, oder aber auch verletzend, kränkend und vorwurfsvoll. Der innere Dialog spiegelt einfach das wider, was wir gelernt haben als wir Kinder waren und wie in unserem Umfeld damit umgegangen wurde, wenn wir etwas nicht wussten oder konnten.
Was aber wenn wir erwachsen sind?
Erleben wir es immer noch als Mangel? Oder machen wir uns die Mühe, über eine andere Deutung und Definition unseres Nichtwissens und Nichtkönnens nachzudenken? Denn unser inneres Erleben richtet sich nach der Bedeutung, die wir Nichtwissen und Nichtkönnen geben. Solange es als Mangel gedeutet wird, wollen wir es weghaben, das ist klar. Was aber wenn wir es lediglich als Hinweis auf etwas erleben? Oder als bloße Wahrnehmung davon, dass wir an einer bestimmten Stelle kein Wissen und kein Können haben? Was wenn wir einfach keine Story aus diesem Erleben machen?
Ich glaube, der springende Punkt ist, ob wir alleine wahrnehmen, wenn wir etwas nicht wissen und können, oder ob andere an der Wahrnehmung beteiligt sind und sehen, dass ich etwas nicht weiß und nicht kann. An dieser Stelle sitzt, so glaube ich, der Knackpunkt für unseren Umgang mit Nichtwissen und Nichtkönnen. Und den würde ich in einem Workshop thematisieren und gemeinsam mit den anderen erkunden. Die Idee ist ja, einen Umgang mit dem eigenen und dem Nichtwissen und Nichtkönnen anderer zu finden, der zeitgemäß und liebevoll ist.
Ein richtig gutes Thema für die Werkstatt für Miteinander, denn im Umgang miteinander sind es genau solche Knackpunkt-Stellen, die schnell zu Konflikten führen.



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