Wenn Kämpfen keinen Sinn mehr macht, ....

... wird es für diejenigen schwierig, die ihr Verhalten auf Gewinnen ausgerichtet haben. Denn wenn Gewinnen kein Kriterium mehr ist, dann macht ihr Verhalten keinen Sinn mehr. Und das verunsichert.

Ich beziehe mich hier auf das Erlernen des SK-Prinzips, also auf die Methode Systemisches Konsensieren, die alle an einer Entscheidung Beteiligten auffordert, so viele Vorschläge wie möglich zu sammeln und dann jeden Vorschlag mit Widerstandspunkten zu bewerten, damit ersichtlich wird, welcher Vorschlag den geringsten Widerstand in der Gruppe erzeugt und demnach die höchste Akzeptanz hat.

In den Einführungsworkshops stelle ich fest, wie schwer es manchen Teilnehmenden fällt, ihr Verhalten der Methode anzupassen, wenn sie begreifen, dass Kämpfen keinen Sinn mehr macht. Ich erlebe oft Gruppen, in denen einige das SK-Prinzip lernen wollen, weil sie überzeugt davon sind, dass es für ihre Gemeinschaft besser ist als das Mehrheitsprinzip und auch besser als das Konsensverfahren, das oft lange Gespräche und Diskussionen braucht bis die Entscheidung steht. Aber andere in der Gruppe sind dagegen und zeigen viel Widerstand gegen das Erleben des SK-Prinzips. Es taucht also immer wieder die Frage auf: Wie gehen wir mit dem Widerstand gegen das SK-Prinzip um? Es wäre paradox, diesen Widerstand mit Argumenten niederringen zu wollen, denn genau diesen Argumenten-Kampf will das SK-Prinzip ja nicht, weil es davon ausgeht, dass kämpferisches Verhalten zu gesellschaftlichen Spaltungen und Lagerbildungen führen, die für den gemeinschaftlichen Zusammenhalt schädlich sind.

Wir denken üblicherweise:
Wer Mehrheiten erreichen will, muss sich anstrengen und dafür kämpfen. Das ist uns allen sehr vertraut. Wenn aber jetzt ein Verfahren wie das SK-Prinzip angewandt wird, in dem es nicht um Mehrheiten geht, dann fällt die Ursache für kämpferisches Verhalten weg. Konkret bedeutet das für die Einzelnen, dass sie mit der Energie, die sich in ihnen entfaltet, weil sie ja auf Kämpfen eingestellt sind, anders als gewohnt umgehen müssen. Und dann kann es passieren, dass beim Sammeln von Vorschlägen ein Kampf entsteht, so nach dem Motto: Ich war zuerst dran... ich habe zuerst aufgezeigt ... ich bin aber jetzt dran!
Es ist aber vollkommen gleichgültig, in welcher Reihenfolge die Vorschläge genannt und aufgeschrieben werden, weil sie alle nacheinander von allen mit Widerstandspunkten bewertet werden. Also könnten alle ganz gelassen und nacheinander ihre Vorschläge formulieren und äußern und warten bis der eine aufgeschrieben wurde und dann der nächste und so weiter. Aber nein, man will kämpfen! Und wenn die Methode es erübrigt, dass um den Inhalt argumentatorisch gekämpft wird, dann wird eben ein neues "Schlachtfeld " aufgetan, damit die kämpferische Energie ausgelebt werden kann. 


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