Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.

Wir alle kennen diesen Spruch umgekehrt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und wir haben auch die dazu passenden Gedanken, nämlich dass es ohne Kontrolle nicht geht, dass Kontrolle wichtig ist, denn wenn nicht kontrolliert wird, dann kann ja Jeder und Jede machen, was er oder sie will. Und wo kommen wir denn dann hin, wenn alle machen, was sie wollen? Ins Chaos! Dieser Gedankengang ist uns allen vertraut, weil wir ihn seit unserer Kindheit gehört und ihn einfach übernommen haben und an ihn glauben.

Was aber wenn die Zusammenhänge, in denen wir heute leben, derart komplex geworden sind und Kontrolle im alten Sinn gar nicht mehr funktionieren kann, weil sie zu viele Details berücksichtigen müsste? Oder wenn wir das Covid-19 Virus erstmal gar nicht kontrollieren können, weil es total neu ist? 

Komplexitäten und Neuheiten sind für Menschen, denen Kontrollieren wichtig ist, eine besonders große Herausforderung, denn sie merken, dass ihre Kontrollmechanismen, so wie sie sie kennen, nicht mehr funktionieren. Etwas Neues muss man erst kennen lernen bevor man überhaupt an Kontrollieren denken kann. Etwas Komplexes muss man vereinfachen und in Teile zerlegen, bevor man Kontrollmechanismen anwenden kann. Alles sehr aufwendig und nur begrenzt und in Teilen möglich. 

Da aber alles mit Menschen zu tun hat, die irgendwo irgendwie am Werk sind, besteht die Möglichkeit, diesen Menschen Vertrauen entgegenzubringen. Das aber fällt denjenigen, die meinen, Kontrolle sei besser als Vertrauen, meist sehr schwer. Woran liegt das? 

Wer nicht vertrauen kann, ist mißtrauisch. Dahinter steckt oft ein negatives Menschenbild. Zum Beispiel  dass der Mensch an sich faul sei und sich nicht freiwillig anstrengt. Oder dass der Mensch an sich schlecht sei und man ihm nicht über den Weg trauen kann. Oft wird beschrieben, was alles schon passiert ist, wenn man Menschen vertraut hat, wie man enttäuscht wurde oder wie unverantwortlich sich die anderen verhalten haben usw. usw. Und überhaupt: Jeder und Jede denke nur an sich, also könne man anderen nicht vertrauen. Oft denken misstrauische Menschen auch, es sei total naiv, anderen zu vertrauen. Und da sie in keinem Fall naiv sein wollen, vermeiden sie, anderen Vertrauen entgegenzubringen.

Aber: Je komplexer die Lebenssituationen werden und je neuer ein Phänomen ist, mit dem wir zu tun haben, umso wichtiger wird Vertrauen - in sich selbst und in andere. Und je schneller und dynamischer sich Gegebenheiten entwickeln, umso weniger kann Kontrolle überhaupt funktionieren, da sie viel zu langsam ist für schnelle Dynamiken. Schnelle Entwicklungen gehen nur noch mit Vertrauen. Wo Vertrauen fehlt, werden Entwicklungen oft gebremst, und manchmal sogar verhindert. 

Also ist es gut, sich um Vertrauenskultur im Miteinander zu kümmern.




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