Wie wollen wir Entscheidungen treffen?

Nach der Frage: Wie wollen wir miteinander umgehen? ist die nächste Frage: Wie wollen wir Entscheidungen treffen? 

Diese Frage stellen sich jedoch nur diejenigen, die wissen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt. Wer das nicht weiß, wird sich nicht fragen, wie die Gruppe Entscheidungen treffen will. "Demokratisch natürlich", wird jede sagen. Und das bedeutet automatisch mehrheitlich. So haben wir es gelernt. Mehrheitlich und demokratisch wird einfach gleichgesetzt. Wie wenn es dasselbe wäre. Dabei geht es um zwei ganz verschiedene Kategorien, nämlich um ein Entscheidungsverfahren und um eine Gesellschaftsform. 

Die Art der Gesellschaftsform wird durch die Art, wie entschieden wird, erst definiert. Dasselbe trifft auf Gruppen zu. Die Art, wie eine Gruppe entscheidet und wie sie den Entscheidungsfindungsprozess gestaltet, definiert sie.

In einer Diktatur entscheidet nur einer, der Diktator. Diktatur ist also eine Gesellschaftsform, in der die Gesellschaft nicht entscheiden kann, wie sie entscheidet. In einer autoritär geführten Gruppe entscheidet einer oder eine, oder ein kleines Grüppchen. Sobald aber ALLE entscheiden dürfen, ist die Frage: WIE. 

In Deutschland wählen wir alle paar Jahre den Bundestag, also diejenigen, denen wir zutrauen, dass sie die Gesellschaft, also uns als Ganzes, gut durch die nächsten Jahre bringen. Wir wählen sie mit unserer Stimme. Alle Deutschen über 18 haben eine Stimme. Und diese Stimme geben wir der Partei, oder der Person, die wir für richtig halten. Soweit die Theorie.

In der Praxis aber geben wir der Partei, oder der Person unsere Stimme, die wir einigermaßen gut finden, die sozusagen das kleinere Übel zu sein scheint, die uns im Vergleich mit den anderen am meisten zusagt. Wir geben unsere Stimme mit der Idee, Mehrheit zu schaffen. Wir hoffen, dass wir mit unserer Stimme dazu beitragen, dass die Person oder Partei, der wir sie gegeben haben, gewinnt. Gemeinsam und alle zusammen suchen wir bei der Wahl im September den oder die Gewinner:innen.

Gewinner suchen, Gewinner bestimmen, das scheint uns das Normalste auf der Welt zu sein. Und daher scheint uns auch der Kampf ums Gewinnen normal. Dabei vergessen wir vollkommen, dass Gewinnen immer automatisch Verlieren und damit auch Verlierer produziert. Das nehmen wir einfach so hin. Ist eben so. Pech gehabt!

Wir blenden aus, dass Verlierer auch viele sind, halt nur nicht die Mehrheit. Dass sie Menschen mit Gefühlen und Gedanken sind, die genauso berechtigt sind, wie die der Gewinner, nur eben anders. All die Gefühle und Gedanken der vielen "Anderen", die verloren haben, sind ja nicht einfach so verschwunden, nur weil sie keine Mehrheit geschafft haben. Die Frage ist, wohin sie verschwunden sind? 




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