Konzeptionelles zu Lesekreis anders:

Lesekreis anders:

Orientiert an Shared Reading


1. September 2022 / Lisa Frohn


1. Was ist anders ?

2. Wie geht Lesekreis anders: ?

3. Wer steht dahinter ?

4. Organisationsentwicklung.

5. Vision.

6. Das Besondere.


1. Zu Beginn eines Lesekreis anders: erhalten alle, die gekommen sind, einen Text. Anders als in üblichen Lesekreisen, haben die Teilnehmer:innen sich nicht darauf vorbereitet. Der Text wird laut vorgelesen. Beim anschließenden Besprechen geht es nicht um Wissen, nicht um Kenntnisse über Literatur oder Poesie, nicht um literarische Interpretationen und Deutungen. Jede Person, die Lust hat auf Zusammensein mit anderen, auf Austausch, die Freude am Lesen hat und neugierig ist, kann teilnehmen. Der Austausch miteinander ist respektvoll und wertschätzend. 


Lesekreis anders: orientiert sich an Shared Reading. 


Wer teilnimmt, hat die Möglichkeit, mit dem Text in Resonanz zu gehen, ihn auf sich wirken zu lassen, zu assoziieren und anderen mitzuteilen, was in ihr oder ihm vorgeht. Ein wesentlicher Aspekt ist Zuhören. "Wer zuhört, gehört bereits dazu." So steht es auf der Website von Shared Reading. 

Dort steht auch der Begriff  "Teilgeber". Im Austausch miteinander sind Geben und Nehmen Verhaltensweisen, die auf eine Haltung hindeuten. Lesekreis anders: lebt durch das, was diejenigen, die zusammen sitzen und zusammen lesen, einbringen und geben. Wobei auch Zuhören Geben sein kann. 


2. Die Frage, wie geht Lesekreis anders: ist die Frage nach der Methode.

Methodisch weichen wir mit Lesekreis anders: von Shared Reading ab. 

Gleich ist jedoch, dass die Lesebegleiterin einen Text auswählt, vielleicht ein Gedicht oder eine Kurzgeschichte, vielleicht eine Stelle aus einem Roman oder aus einem Theaterstück, vielleicht eine Seite aus einem Sachbuch oder ein Lied, vielleicht auch nur ein kurzes Zitat. Dieser Text liegt für jede Person, die zum Lesekreis anders: kommt, bereit.


Wir beginnen immer mit einer Einstiegs- und enden mit einer Schlussrunde. Wie das bei Shared Reading ist, weiß ich nicht. Für diese Runden bereitet die Lesebegleiterin,/Moderatorin, eine Frage vor, vielleicht stellt sie auch lediglich die Frage nach der momentanen Befindlichkeit. Alle sollen der Reihe nach zu Wort kommen dürfen. Nichts zu sagen ist auch okay. 

Der mitgebrachte Text wird zunächst von der Moderatorin laut vorgelesen und dann von denjenigen, die möchten.


Anders als bei Shared Reading, wechseln wir uns mit der Rolle der Lesebegleiterin/Moderatorin ab. Wie die jeweilige Moderatorin durch das Treffen führt, bleibt ihr überlassen. Manche geben mehr, manche weniger Struktur vor. Die aufgelisteten unterschiedlichen methodischen Angaben können frei kombiniert werden. Es besteht auch die Möglichkeit, die Anwesenden in die Entscheidung, wie vorgegangen werden soll, einzubeziehen. 

Bei Lesekreis anders: ist das WIE, also die Form, genau so wichtig wie das WAS, der Inhalt.


Einige methodische Möglichkeiten sind:

* Die Teilnehmenden werden gebeten, ein Wort oder einen halben Satz oder einen ganzen Satz aus dem vorgelesenen Text wiederzugeben, der sie besonders anspricht.

* Jederzeit, besonders nach dem Vorlesen, kann eine Stillephase von vielleicht einer Minute gehalten werden, wobei Beginn und Ende mit Klangsignalen gekennzeichnet werden können.

* Eine Person im Kreis beginnt mitzuteilen, was ihr in den Sinn kommt, was sie denkt, was sie fühlt, was sie erinnert, was sie assoziiert oder was sie sich vorstellt, was sie versteht oder nicht versteht.

* Die Reihenfolge, in der die Anwesenden sich äußern, wird durch die Moderatorin vorgeschlagen: - nacheinander im Kreis, - durch das Holen des Redegegenstands aus der Mitte, - mit Aufzeigen, - mit gegenseitigem Drannehmen, - mithilfe einer Redeliste, - ohne jede Regel.

* Um Zeit zum Verstehen und Nachvollziehen zu bekommen, kann eine Klangschale, die in der Kreismitte steht, jederzeit von jeder teilnehmenden Person angeschlagen werden. Solange der Klang im Raum ist, wird nicht gesprochen.

* Die Moderatorin stellt offene Fragen, gibt Impulse, bringt weitere Textstellen oder Zitate ins Spiel.

* Körperliche Übungen, die einen Bezug zum Text haben, sind möglich.

* Die Gruppe ist offen für weitere methodische Vorschläge.


3. Hinter Lesekreis anders: steht eine Gruppe von EFIs in der Melanchthon-Akademie in Köln. EFI heißt Erfahrungswissen Für Initiativen. Die Kerngruppe des Lesekreis-Projekts hat sich auf Initiative von Lisa Frohn im Juni 2022 aus der EFI-Community gebildet: Eva Eßer, Marlene Brandt und Lisa Frohn. 

Im Juli kamen Henny Schwartzkopff-Wiek und Eleonore Hopstein dazu.  Weitere Mitmacher:innen sind willkommen.


Lesekreis anders: ist als EFI-Projekt konzipiert.

Durch Üben, Feedback geben und nehmen, durch Experimentieren und mit Lust am gemeinsamen Lernen, voneinander und miteinander, entwickelt die Kerngruppe die Basis für das Projekt. Bei jedem der wöchentlichen Treffen wird ein Lesekreis anders: durchgeführt. Die Auswahl des jeweiligen Textes, die Moderation und Durchführung sowie die Begleitung der anschließenden Reflexion und des Feedbacks übernehmen die Teilgeberinnen abwechselnd. 

Bei den Treffen wird auch Organisatorisches besprochen und entschieden. 


4. Organisationsentwicklung.

Lisa Frohn leitet die Organisationsentwicklung und ist für die Kommunikation mit der Akademie und anderen möglichen Kooperationspartner:innen verantwortlich.

Die Akademie stellt Räume und Infrastruktur zur Verfügung. Joachim Ziefle ist der Ansprechpartner.

Die wöchentlichen Treffen, immer donnerstags von 11 bis 13 Uhr, bilden den zeitlichen Rahmen für das Projekt.

Die 1. Phase bestand aus vier Treffen zu dritt: Eva Eßer, Marlene Brandt, Lisa Frohn. (Juni, Juli 2022)

Die 2. Phase bestand aus weiteren vier Treffen in der Akademie, zu denen EFIs der Community, die sich interessierten, eingeladen waren. (Juli , August 2022) Dabei ergab sich die Erweiterung der Kerngruppe. Parallel hat die Gruppe mithilfe der App acceptify einen Namen für das Projekt gesucht. Am 25. August hat sie sich für  Lesekreis anders: entschieden.

( Ich schreibe diesen Text am 30. August 2022, leicht überarbeitet für den Blog am 14. November)


Die 3. Phase beginnt Anfang September und heißt EFIs and Friends. 

Die Teilnehmerinnen der Projektgruppe laden neben den EFIs der Community auch Freund:innen und Bekannte zu den wöchentlichen Treffen ein. Die Dauer dieser Phase ist für September, Oktober, November, Dezember 2022 vorgesehen.


In diesen Monaten werden ebenfalls Angebote für bestehende Gruppen wie z.B. für die Arbeitsgruppe End-lich leben, für die EFI-Theatergruppe oder die EFI-Community entwickelt. Möglicherweise auch für Gruppen außerhalb der Akademie.

In dieser Phase wird parallel auch ein Angebot für das erste Semester 2023 der Akademie entworfen und geplant. Dazu muss im Oktober 2022 ein Programmtext geschrieben und die Termine festgelegt werden. Verantwortlich dafür ist Lisa Frohn.

In der 4. Phase wird ab Anfang 2023 Lesekreis anders: in der Akademie öffentlich  angeboten.


5. Vision

Die Teilgeber:innen der EFI-Projekt-Gruppe werden Lesekreis anders: so weit entwickeln und sich selbst darauf vorbereiten, dass sie Angebote in Köln und der Umgebung planen und durchführen können. Dabei werden die EFIs sich gegenseitig begleiten und unterstützen und weiterhin voneinander und miteinander lernen. Die regelmäßigen wöchentlichen Treffen in der Akademie bilden die Basis und geben die Möglichkeit, die jeweiligen Aktivitäten außerhalb der Akademie miteinander zu besprechen, sie zu planen und durchzuführen sowie nach der Durchführung das Erlebte zu reflektieren und auszuwerten. 

 

Mögliche Orte für Lesekreis anders: sind Schulen, Seniorenzentren, Bibliotheken, Jugendeinrichtungen oder andere Institutionen und Orte, wo gemeinsames Lesen sinnvoll sein kann und gewollt wird.


Eine Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Shared Reading ist wünschenswert. 

Ebenso wünschenswert ist, im Herbst 2023 in Kooperation mit der Akademie ein Barcamp Lesekreis anders: zu planen, durchzuführen und auszuwerten.


6. Das Besondere:

Lesekreis anders: ist ein Projekt, das im freiwilligen Engagement gegründet wurde, unterstützt von der Melanchthon-Akademie in Köln. Alle Aktivitäten und Angebote, die von dort ausgehen, sind als freiwilliges Engagement gedacht, ganz im Sinne von Erfahrungswissen für Initiativen, EFI, ein Bildungsprogramm, das von der Stadt Köln gefördert und in der Melanchthon-Akademie ein Mal jährlich durchgeführt wird. Es besteht aus sechs Tagesworkshops, die für die Teilnehmenden kostenlos sind.


In diesem Zusammenhang soll erwähnt werden, dass die Ausbildung zur Leseleiterin/ Facilitator von Shared Reading 1.150 Euro kostet, plus Reise- und Übernachtungskosten.  Die Gründerinnen und Betreiberinnen von Lesekreis anders: sehen bisher keine Möglichkeit, diese Kosten aufzubringen. Daher haben sie beschlossen, einfach mit den Kompetenzen zu starten, die in der Gruppe vorhanden sind. 





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