"So bin ich eben."

Welche Rolle spielt unser Mindset im Alter? 

Die schnelle Antwort ist: Dieselbe wie auch in den Jahren davor. Aber:

Die Freiheit im Alter ist für die allermeisten größer als sie je zuvor war, frei von Verpflichtungen und Aufgaben und frei für das, was uns am Herzen liegt, worauf wir Lust haben und was uns Freude bereitet. Wenn aber diese äußere Freiheit nicht von innerer Freiheit begleitet wird, dann findet unser Leben in Bedingungen und Grenzen statt, die wir uns selbst setzen. Die Rolle unseres Mindsets im Alter ist deshalb so viel wichtiger als zuvor, weil es oft das einzige ist, was uns hindert, uns zu entfalten und uns weiter zu entwickeln. 

Aber klar, wer sich nicht entfalten und weiterentwickeln will, der darf natürlich so bleiben, wie er oder sie ist und sagen: "So bin ich eben."

Diese Gedanken über die innere Freiheit und welche Rolle das Mindset spielt, beschäftigen mich in letzter Zeit immer häufiger, weil ich bei meinen  Freundinnen und Freunden und Verwandten und Bekannten, die im selben Alter sind wie ich, häufig Erklärungen und Erläuterungen zu ihren derzeitigen Entscheidungen und Lebensumständen höre, die einfach nicht zu ihren tatsächlichen momentanen Bedingungen passen und einfach mitgenommen wurden aus der Zeit von vor zwanzig oder dreißig Jahren, als alles noch ganz anders war. 

Ein Beispiel, das häufiger vorkommt ist die Erklärung dafür, dass man sich keine Hilfe fürs Saubermachen holt. Geld genug wäre vorhanden, aber das Mindset erlaubt es nicht. Und das führt dann manchmal dazu, dass es in den Wohnungen nicht mehr so staubfrei und sauber ist wie es früher war. Aber: "So bin ich eben."

Und noch ein Beispiel. Es geht ums Wohnen. Wir wohnen unser Leben lang und jede und jeder von uns hat eine eigene Wohnbiografie. Allen ist klar, und viele haben es bei ihren alten Eltern gesehen, dass Leben im Alter bestimmte Wohngegebenheiten braucht, die vieles erleichtern und manches ermöglichen. Als es damals um die eigenen Eltern ging, "wussten" wir natürlich, was sie am besten entscheiden sollten, um sich, aber auch uns, das Leben zu erleichtern. Heute aber, wo es um uns selbst geht, sieht es bei vielen anders aus und sie bleiben am liebsten da wohnen, wo sie schon lange wohnen und verändern erstmal nichts. "Später vielleicht", sagen sie, oder auch "noch nicht". Und dabei verstreicht die Zeit. 

Ich glaube, dass unser Mindset der Schlüssel für ein gutes Leben im Alter ist, denn wir können es beeinflussen und verändern und an die Wirklichkeit anpassen. Ich würde sagen, mein Mindset gehört mir. Wie ich damit umgehe, wie ich es für mein Leben als alte Frau nutze, das kann ich selbst bestimmen. In jedem Fall ist es immer und überall am Werk, das ist klar, ob ich will oder nicht und ob es gut für mich ist oder nicht. Wer gut für sich und seine physische, mentale, emotionale und spirituelle Gesundheit sorgen möchte, tut gut daran, sein Mindset in den Blick zu nehmen und aufzuräumen.


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